Simmental

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Tuesday, March 07, 2006

WWF-Naturwald

Grösster WWF-Naturwald im Berner Oberland

Beim ehemaligen Weissenburgbad im Simmental hat der WWF eines der grössten Berner Naturwald-Reservate in Privatbesitz ermöglicht. Ein 50-Jahres-Vertrag mit der Burgergemeinde Bern als Grundeigentümerin sichert auf 78 ha den Nutzungsverzicht und das Zulassen der natürlicher Waldentwicklung.

Für den Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern (FBB) bedeutet die Naturwald-Ausscheidung einen wichtigen Baustein im Rahmen ihrer Zertifizierung mit dem FSC-Label für nachhaltige Waldwirtschaft.

Forstwirschaftlich sind die Waldflächen an den Einhängen des Buuschebaches zwischen 775 und 1700 m.ü.M. wegen hoher Holzerntekosten kaum von Bedeutung. Dafür ist ihr ökologischer Wert umso grösser. Sie sind bereits heute Struktur- und Totholzreich. Neben vielen anderen Lebewesen sind dort auch Birkhühner und Adler zu beobachten.

Im unteren Teil stocken Eiben- und Tannen-Buchenwälder mit stellenweise Bergahorn und Esche. Im oberen Teil wachsen plenterartige Fichtenwälder in extensiv genutzte Weiden und Wiesen ein. Lawinenzüge und steile Runsen sorgen für Licht im Wald und bewirken eine dynamische Waldentwicklung.

Das Naturwaldreservat Weissenburg liegt mitten in einem grossen zusammmenhängen-den und zum Teil wenig erschlossenen Waldgebiet. Von der eidgenössischen Forstdirektion wird es als Potentialgebiet für ein Grossreservat mit Naturwald-Kernzonen und Zonen naturnaher Nutzung ausgewiesen.

Die Gemeinden Oberwil und Därstetten erhalten so neben den Weissenburger Quellen und dem Simmentaler Hausweg eine weitere Akttraktion. Die Wanderwege im Naturwaldreservat sollen weiterhin unterhalten werden.

Das Naturwaldprojekt Weissenburg konnte mit grosszügiger Unterstützung der Stiftung Save the Mountains gesichert werden.

Geschichte vom Bad Weissenburg

Das Alte Kurhaus

DAS BAD WEISSENBURG IM SIMMENTAL

Auszug aus Das Bad Weissenburg im Simmental (1947) von Hans Markwalder
aus der Berner Zeitschrifft für Geschichte und Heimatkunde (hier anklicken zum orig. Artikel)

Im Sommer des Jahres 1600 hat Antoni Bacher, ein «lantman» zu Weißenburg «in nider Sibendal» an die «gnadigen Heren und Obern Schult His und Rät der loblichen Statt Barn» einen Bericht geschrieben, wie er zusammen mit seinem Sohn «ein brunnen funden habe und ein nüven Schatz». Es handelt sich dabei um die Quelle des Thennalwassers von Weißenburg, das hinten in der Schlucht des Bunschenbaches an schwer zugänglicher Stelle über dem Bachbett dem Felsen entquillt.

Im Sommer 1602 wurde die Fassung der Quelle verfügt und der Prädikant zu Därstetten beauftragt, die Bauarbeiten zu überwachen. Im Jahre 1604 war die Quellfassung durchgeführt und ein schmaler Fußweg zu der damals noch höchst primitiven Badhütte erstellt, der das Badwasser in hölzernen Röhren zugeleitet wurde.

Die Stelle der ersten Badanlage soll sich ursprünglich weiter hinten im Bachtobel als die spätem zwei Badetablissemente befunden haben: erst 1657 wurde das sogenannte «hintere Bad» in einer Höhe von 890 m ü. M. errichtet. Die Stelle dieser ersten Badanlage kann heute nicht mehr festgestellt werden. Auf jeden Fall kann es sich nur um eine Hütte gehandelt haben, für eine größere Anlage ist die Schlucht viel zu eng.

Infolge seiner abgeschiedenen, schwer zugänglichen Lage geriet dann die Badegelegenheit in Weißenburg in Vergessenheit, bis sich im Jahr 1694 der damalige Stadtarzt von Bern, Dr. Jakob Ritter, der Sache annahm. Die Verhandlungen mit der bernischen Regierung führten am 27. Juni 1695 zur Konzessionscrteilung an Stadtarzt Ritter.

Das Bad kam im Laufe des 18. Jahrhunderts in Aufschwung und wurde von nah und fern, hauptsächlich aber von Stadtbernern, gerne besucht. Im alten Bad erinnerte die Bezeichnung «Junkerngasse» noch in unserer Zeit an die vornehmen Gäste aus dem alten aristokratischen Bern.

Die Staatsumwälzung von 1798 mit ihren für Stadt und Land unheilvollen Kriegswirren ließen das Weißenburgbad eine Zeitlang in Vergessenheit geraten. Der durch die fränkischen Machthaber und Heere finanziell aasgesogenen Bevölkerung fehlte das Geld für Badekuren; erst mit der allmählichen Überwindung der Kriegsfolgen kam auch das Bad im niederen Simmental wieder zur Geltung, wo anerkanntermaßen schon damals sehr gute Kuren gegen katarrhalische und Lungenleiden gemacht wurden.

Im Jahre 1825 erwarb Dr. med. Jakob Müller von Weißenburg das Bad, das damals in einem Holzbau 80—100 Badgäste aufnehmen konnte. Tüchtige medizinische und wirtschaftliche Leitung brachten das Bad bald zu großer Frequenz, so daß 1837 mit der Erstellung eines steinernen Neubaus an Stelle des alten Bades, der bereits 150 Gäste zu fassen vermochte, begonnen werden konnte.

1846 wurde das neue Bad talauswärls erstellt, so daß nunmehr für 300 Personen und das notwendige Dienstpersonal Platz geschaffen war.
Heilung und Erholung Bedürftige aus aller Welt besuchten in der Folge das Bad zu Weißenburg, als dessen berühmteste Kurärzte, neben dem bereits erwähnten Dr. J. Müller, Professor Dr. med. Huguenin und Dr. med. Jonquiere zu erwähnen sind.

Anfangs der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts ging die Badbesitzung mit ihren ausgedehnten Waldungen an die bekannte Hotelierfamilie Hauser und später an eine Aktiengesellschaft über und gehört heute (Stand 1947) Kommanditgesellschaft Häcky & Jenni.
Das vordere Bad fiel 1895 einer Brandkatastrophe zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut.
Mit dem Aufkommen der Sonnentherapie zur Behandlung von katarrhalischen und Lungenleiden ist die Bedeutung von Weißenburg als Sanatorium zurückgegangen und heute erloschen, was aber nach dem Dafürhalten vieler Ärzte, die die Heilwirkung des Thermalwassers von Weißenburg noch kennen, als eine vorübergehende Erscheinung zu betrachten ist.Das hintere alte Bad wurde vor einigen Jahren abgetragen und das vordere Bad in ein Saisonhotel, das keine Lungenkranken mehr aufnimmt, umgewandelt. (Stand 1947)




Gaspar Wolf (1735-1798) hat das alte Bad in Aquarelle festgehalten. Das Bild Gasthäuser in Bad Weissenburg im Simmental kann im Kunsthaus Zürich bewundert werden.



Holzstich vom Alten Kurhaus